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Mineralstoffe

Was von der Übersäuerung übrig bleibt

Puffersysteme, latente Azidose und die Rolle basischer Mineralcitrate

Von Vitaminbox-Team · 19.04.2026 · 3 Min. Lesezeit
Was von der Übersäuerung übrig bleibt

Säure-Basen-Haushalt: was von der Übersäuerung übrig bleibt

Kaum ein Begriff aus der Naturheilkunde hält sich so hartnäckig wie die Übersäuerung. Für die einen erklärt sie so ziemlich jedes Zipperlein, für die anderen ist sie reines Marketing. Beide Lager machen es sich zu einfach. Was macht der Körper mit Säuren wirklich, und was davon wird verkauft?

Wie der Körper Säuren reguliert

Der Organismus verfügt über mehrere Puffersysteme, die den pH-Wert des Blutes bemerkenswert stabil halten. Er liegt konstant zwischen 7,35 und 7,45, eine stärkere Abweichung wäre lebensbedrohlich. Entsprechend konsequent verteidigt der Körper diesen Bereich, notfalls auf Kosten anderer Baustellen. Dass das Blut eines gesunden Menschen im Alltag "übersäuert", kommt nicht vor. Wer solche Sätze liest, darf skeptisch werden.

Drei Mechanismen tragen die Hauptlast:

  • die Lunge atmet überschüssiges CO2 ab, also die saure Komponente
  • die Niere scheidet Säuren über den Urin aus
  • Mineralpuffer aus den Geweben, allen voran Calcium, Magnesium und Kalium

Interessant wird der dritte Punkt. Ist die Ernährung dauerhaft säurelastig (viel Fleisch, Wurst, Käse, Weissmehl, Zucker, Kaffee, Alkohol), greift der Stoffwechsel für die Pufferung stärker auf körpereigene Mineralien zurück. In der Naturheilkunde heisst dieser Zustand "latente Azidose". In der Schulmedizin ist der Begriff umstritten, und ehrlich gesagt ist die Datenlage dünner, als Ratgeber es darstellen. Unbestritten bleibt: Eine mineralstoffarme, stark verarbeitete Kost gibt dem Körper wenig zurück.

Die Liste, die in jedem Ratgeber steht

Der Übersäuerung werden dort regelmässig dieselben Zeichen zugeordnet:

  • Müdigkeit trotz genug Schlaf
  • Verspannungen ohne klare Ursache
  • Konzentrationsschwäche
  • häufige Kopfschmerzen
  • fahler Teint, unreine Haut
  • wenig Antrieb

Bewiesen ist damit nichts. Die Zeichen sind so unspezifisch, dass ein Dutzend anderer Erklärungen genauso gut passt, von zu wenig Schlaf über Eisenmangel bis zur Schilddrüse. Sodbrennen steht dort ebenfalls, gehört aber abgeklärt und nicht in einen Selbstversuch mit Basenpulver. Was die Liste taugt: als Anlass, die eigene Ernährung ehrlich anzuschauen.

Was Citrate sind und warum sie als basisch gelten

Basentabletten enthalten die Mineralien meist als Citrate, also gebunden an Citronensäure. Eine Säure, die basisch wirken soll, klingt widersprüchlich. Der Grund liegt im Stoffwechsel: Citrat wird zu Bicarbonat abgebaut, dem wichtigsten körpereigenen Puffer. Mitgeliefert werden die basenbildenden Mineralien Calcium, Magnesium, Kalium und Zink.

Für die Citrat-Form spricht:

  • gute Bioverfügbarkeit
  • magenfreundlicher als Carbonate
  • der Puffereffekt setzt rasch ein
  • sie bringt Mineralien von aussen mit, statt dass der Körper eigene Reserven anzapft

Für eines davon gibt es einen zugelassenen Claim: Zink trägt zu einem normalen Säure-Basen-Stoffwechsel bei.

Was die Ernährung dazu beiträgt

Basentabletten sind kein Ersatz für eine basenfreundliche Ernährung. Sie ergänzen sie. Der grössere Hebel liegt auf dem Teller:

  1. mehr Gemüse, vor allem grünes Blattgemüse, Brokkoli und Sellerie
  2. Obst in Massen, etwa Beeren, Aprikosen, Bananen
  3. Kräuter und Sprossen, konzentrierte Mineralquellen und die einfachste Aufwertung fürs Znüni
  4. weniger Fleisch und Wurst, besonders stark verarbeitete Ware
  5. weniger Zucker und Weissmehl
  6. Kaffee, Alkohol und Cola zurückfahren
  7. 2 bis 3 Liter Wasser täglich, damit die Niere ihre Arbeit machen kann
  8. Bewegung, weil die Lunge einen erheblichen Teil abatmet

Wen wir am ehesten damit sehen

  • Menschen mit einseitiger Ernährung, viel Fertigware, wenig Gemüse
  • Sportler, bei denen intensive Belastung Milchsäure produziert
  • Menschen jenseits der 50, denn die Pufferkapazität nimmt mit den Jahren ab
  • wer nachmittags regelmässig ins Energieloch fällt
  • in Stressphasen, in denen ohnehin unregelmässig gegessen wird
  • als Begleitung einer Basenfastenkur

Wie wir das einordnen

Eine Übersäuerung des Blutes im medizinischen Sinn ist eine ernste Sache und passiert nicht wegen dreier Cervelats. Bescheidener und besser begründet ist das hier: Eine Kost aus viel Fleisch, Weissmehl und Zucker liefert wenig Mineralstoffe und verlangt den Puffersystemen mehr ab als eine gemüsereiche. Wer die Ernährung anpasst und zusätzlich basenbildende Mineralien zuführt, gibt dem Körper Baumaterial zurück. Mehr Anspruch stellen wir nicht, und wer Basentabletten als Kur gegen irgendetwas anpreist, verspricht zu viel.

Die Ernährung bleibt der grössere Hebel. Die Tablette ergänzt.

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Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel können eine ausgewogene Ernährung nicht ersetzen. Bei Beschwerden, in der Schwangerschaft oder unter Medikamenten besprich die regelmässige Einnahme vorher mit einer Fachperson.

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