Nachtkerzenöl und die Gamma-Linolensäure
Eine seltene Fettsäure aus den Samen einer Wildpflanze vom Bahndamm
Nachtkerzenöl und die Gamma-Linolensäure
Es fängt meistens im Januar an. Die Wohnung ist geheizt, draussen liegt die Luft bei minus zwei Grad und ist staubtrocken, und abends nach dem Duschen spannt die Haut an den Schienbeinen so, dass man sich kratzt, ohne es zu merken. Bodylotion hilft zwei Stunden. Danach ist es wieder wie vorher.
Wer das jeden Winter durchmacht, stösst irgendwann auf ein Öl aus den Samen einer Wildpflanze, die hierzulande kaum jemand beachtet.
Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) wächst an Bahndämmen und auf Kiesflächen, wird gut einen Meter hoch und öffnet ihre gelben Blüten erst gegen Abend. Daher der Name. Ihre Samen sind winzig, und aus ihnen wird ein Öl gepresst, das in der Naturheilkunde seit Langem einen festen Platz hat, besonders in der Frauenheilkunde.
Was dieses Öl von anderen unterscheidet
Der Unterschied liegt in einer Fettsäure, die in Pflanzenölen selten vorkommt: der Gamma-Linolensäure, kurz GLA. Nennenswerte Mengen findet man ausser in der Nachtkerze nur in Borretschsamen und in schwarzer Johannisbeere.
Nachtkerzenöl enthält etwa 8 bis 10 % GLA. GLA gehört zu den Omega-6-Fettsäuren, und theoretisch stellt der Körper sie selbst aus Linolsäure her, die in jedem Sonnenblumenöl steckt. Zuständig ist ein Enzym mit dem sperrigen Namen Delta-6-Desaturase, dessen Aktivität mit den Jahren nachlässt und das zudem unter anhaltendem Stress und in hormonellen Umbruchphasen langsamer arbeitet. Bei manchen Menschen kommt am Ende schlicht weniger heraus, als sie brauchen könnten.
Für die ist die direkte Zufuhr interessant.
Was GLA im Körper macht
Aus GLA baut der Körper Prostaglandine, hormonähnliche Botenstoffe mit einem sehr breiten Aufgabenfeld. Die Forschung untersucht ihre Rolle unter anderem bei:
- Entzündungsvorgängen, wo die aus GLA gebildeten Prostaglandine eher als regulierend eingeordnet werden
- der Hautbarriere. GLA ist Baustein der Zellmembranen, in der Haut besonders
- dem Hormonhaushalt, traditionell vor allem bei Frauen ein Thema
- der Regulation des Blutdrucks
- Vorgängen im Immunsystem
Vitamin E ist fast immer mit dabei
Gute Nachtkerzenöl-Kapseln enthalten Vitamin E. Dafür gibt es zwei Gründe, und der erste ist ziemlich profan:
- Vitamin E schützt das Öl selbst vor Oxidation. Ohne diesen Zusatz wird es ranzig, und ranziges Öl möchte niemand schlucken
- Vitamin E ist darüber hinaus ein wichtiges Antioxidans im Körper. Der zugelassene EU-Health-Claim lautet: «Vitamin E trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei»
Wofür Nachtkerzenöl traditionell verwendet wird
Vier Anwendungen tauchen in der Naturheilkunde immer wieder auf.
1. Trockene, spannende Haut
Die häufigste Anwendung überhaupt. Menschen mit trockener Hautveranlagung berichten nach acht bis zwölf Wochen von einer veränderten Hautqualität, besonders im Winterhalbjahr und mit zunehmendem Alter. Schnell geht das nicht, und wer nach zwei Wochen aufgibt, kann es gleich ganz lassen.
2. Hautbild und Zyklus
Viele Frauen beobachten, dass sich ihr Hautbild im Lauf des Zyklus verändert, ebenso in den Wechseljahren. In genau diesen Situationen wird Nachtkerzenöl klassisch eingesetzt.
3. Rund um Zyklus und Wechseljahre
Hier liegt die traditionelle Hauptanwendung. Anwenderinnen berichten von Veränderungen beim Spannungsgefühl in der Brust, bei der Stimmung in den Tagen vor der Periode und im Erleben der Wechseljahre. Die Studienlage dazu ist uneinheitlich, das muss man ehrlich sagen: viele Erfahrungsberichte, dünne Belege.
4. Nägel und Haare
Was der Hautbarriere zugutekommt, zeigt sich oft auch an brüchigen Nägeln und an der Haarstruktur.
An wen sich das Öl richtet
- Frauen, die den Zyklus körperlich deutlich spüren
- Frauen in den Wechseljahren, begleitend
- bei trockener, empfindlicher Hautveranlagung
- im Winter, wenn Heizungsluft und Kälte der Haut zusetzen
- wenn sich das Hautbild hormonell verändert
- ältere Menschen, bei denen die körpereigene Umwandlung nachlässt
- als Baustein einer Hautpflege von innen
So nimmst du es im Alltag
- 2 bis 3 Kapseln täglich, zu den Mahlzeiten
- durchgehend über 8 bis 12 Wochen
- zusammen mit einer Omega-3-Quelle, weil das Verhältnis der Fettsäuren zueinander zählt und die meisten von uns ohnehin zu viel Omega-6 essen
- Geduld mitbringen. Die Haut erneuert sich in ihrem eigenen Takt, sechs bis acht Wochen sind das Minimum
- bei empfindlicher Haut mit einer Kapsel beginnen und langsam steigern
Ein Öl, das sich nicht ersetzen lässt
Bei den meisten Pflanzenölen liesse sich das eine durch das andere ersetzen, ohne dass es einen grossen Unterschied machte. Beim Nachtkerzenöl ist das anders, weil GLA in der normalen Küche praktisch nicht vorkommt. Weder Olivenöl noch Rapsöl liefern diese Fettsäure in nennenswerter Menge.
Zum Wundermittel macht es das nicht. Es macht es zu einer Ergänzung, die tatsächlich etwas beisteuert, was sonst fehlt, und die dabei gut verträglich ist.
Wenn du eine ganze Kur durchziehen willst: Der Nachtkerzenöl-Doppelpack im VitaminboxShop enthält das Öl zusammen mit Vitamin E, 2x 90 Kapseln. Das reicht für die vollen zwölf Wochen, ohne dass mittendrin die Dose leer ist.
Hinweis: Eine ausgewogene Ernährung lässt sich mit Nahrungsergänzung nicht ersetzen. Wer an Epilepsie leidet, Blutverdünner einnimmt, schwanger ist oder stillt, klärt die regelmässige Einnahme vorher mit einer Fachperson ab.