L-Lysin, die Aminosäure, über die kaum jemand spricht
Was die essenzielle Aminosäure für Eiweissaufbau, Haut und Gewebe bedeutet
L-Lysin, die Aminosäure, über die niemand spricht
1889 löste der Leipziger Chemiker Edmund Drechsel aus Kasein, also aus Milcheiweiss, einen bis dahin unbekannten Baustein heraus und gab ihm den Namen Lysin. Seither steht die Aminosäure in jeder Nährwerttabelle.
Im Fitnessstudio redet trotzdem kaum jemand über sie.
Dort geht es um BCAA, um Shaker und um den nächsten Satz Kniebeugen. L-Lysin arbeitet leiser und an deutlich mehr Baustellen. Interessant ist sie auch für Leute, die nie eine Hantel anfassen.
Was L-Lysin im Körper macht
L-Lysin gehört zu den neun essenziellen Aminosäuren. Der Körper kann sie nicht selbst bauen, sie muss über den Teller kommen. Beteiligt ist sie unter anderem an:
- der Eiweisssynthese, sie steckt in praktisch jedem Protein des Körpers
- der Kollagenbildung, gemeinsam mit Vitamin C und Glycin. Haut, Bindegewebe, Knochen und Sehnen hängen daran
- der Herstellung von Carnitin, das im Fettstoffwechsel gebraucht wird
- der Calciumaufnahme aus dem Darm
- der Immunfunktion, denn L-Lysin ist Bestandteil von Antikörpern
- dem Gewebeaufbau nach Verletzungen oder Operationen
Baustoff zu sein ist dabei nur die halbe Geschichte. L-Lysin hat eigene regulatorische Funktionen: Sie arbeitet mit Calcium zusammen, teilt sich mit Arginin denselben Aufnahmeweg (die beiden rangeln also um Platz) und taucht in mehreren Stoffwechselketten auf.
Wo L-Lysin in der Nahrung steckt
Tierische Eiweissquellen liefern reichlich davon:
- Fleisch und Geflügel
- Fisch, Sardinen ganz besonders
- Eier, Käse, Quark und andere Milchprodukte
Pflanzliche Quellen sind dagegen oft lysinarm, allen voran Getreide. Die Hülsenfrüchte machen die Ausnahme: Linsen, Bohnen, Kichererbsen, dazu Soja. Dass die mediterrane und die nahöstliche Küche seit Jahrhunderten Brot mit Linsen und Reis mit Bohnen zusammenbringen, ist kein Zufall, auch wenn dort nie jemand ein Aminosäurenprofil im Kopf hatte. Die Kombination gleicht aus, was dem einzelnen Lebensmittel fehlt.
Bei pflanzlicher Ernährung zählt das Profil, nicht die Menge
Wer kein Fleisch isst, kommt in aller Regel auf genug Eiweiss. Das Aminosäurenprofil kann trotzdem schief liegen. In vielen Getreideprodukten ist L-Lysin die sogenannte limitierende Aminosäure, die schwächste Stelle in der Kette also, und die bestimmt, wie viel der Körper mit dem Rest überhaupt anfangen kann. Eine gezielte Ergänzung kann sich hier lohnen, vor allem wenn:
- du vegan isst und Hülsenfrüchte selten auf dem Teller landen
- du sportlich aktiv bist und entsprechend mehr Bausteine verbrauchst
- ohnehin wenig Eiweiss zusammenkommt, was bei älteren Menschen und in Genesungsphasen häufig vorkommt
Wer davon am ehesten etwas hat
- Menschen nach Verletzungen oder Operationen, wenn der Körper Gewebe neu aufbaut und dafür Material braucht
- wer nach einer zehrenden Zeit wieder zu Kräften kommen möchte
- aktive Vegetarierinnen und Veganer
- ältere Menschen, deren Aminosäurenstoffwechsel weniger flott läuft als mit dreissig
- bei brüchigen Nägeln und dünnem Haar
- wer L-Lysin aus der Drogerie kennt: Die Aminosäure wird seit Jahrzehnten traditionell eingenommen. Ein zugelassener Health Claim steht dahinter nicht, die Anwender-Erfahrung ist aber breit
Was bei der Einnahme wichtig ist
- Auf nüchternen Magen oder zwischen zwei Mahlzeiten, so wird sie besser aufgenommen
- Nicht zeitgleich mit Arginin-Präparaten, die beiden konkurrieren um denselben Transporter
- zusammen mit Vitamin C, wegen der Kollagenbildung
- 4 bis 8 Wochen am Stück, sonst füllen sich die Speicher gar nicht erst
- in Phasen mit erhöhtem Eiweissbedarf richtet sich die Menge nach der Empfehlung auf der Packung. Höher gehen wir nur nach Rücksprache mit einer Fachperson
Unser Eindruck
L-Lysin ist eine stille Arbeiterin.
Wir halten wenig davon, Aminosäuren einzeln zu sammeln wie Briefmarken, und die meisten Menschen mit gemischtem Speiseplan brauchen hier nichts. Bei pflanzenbetonter Ernährung, in Aufbauphasen oder wenn der Körper gerade viel repariert, ergibt eine gezielte Ergänzung dagegen Sinn.
Die L-Lysin-Kapseln im VitaminboxShop gibt es in der 100er-Packung, gerechnet für eine Aufbau-Kur über mehrere Wochen. Wer sie in einer pflanzenbetonten Phase einsetzt, hat damit die Menge beisammen, die es für einen ehrlichen Versuch braucht.
Was zum Schluss dazugehört: Auch die beste Kapsel macht aus einem einseitigen Speiseplan keinen guten. Bei Nierenproblemen, in Schwangerschaft und Stillzeit oder wenn du regelmässig Medikamente nimmst, hol dir vor der Einnahme den Rat einer Fachperson.